Nachruf Peter Huebert Print
Im Gedenken an Peter Hübert                * 10.11.1923       † 18.04.2008
von Rüdiger Klaue

Active Image„Ich stand noch unter der Dusche, als eure Maschine ingeflogen kam,“ sagte Peter Hübert, als er unsere Familie im Jan. 1982 vom Flughafen in Quito abholte. Der Landestreifen befindet sich ja praktisch mitten in der Stadt. Hüberts Wohnung lag nur etwa drei km entfernt. Man konnte jedes Flugzeug, das landete oder startete, am Fenster vorbeifliegen sehen und hören. 

    Vor Aufregung hatte Peter noch den Schlüssel in seinem Wagen eingeschlossen. Ich weiß nicht, wie er so schnell jemanden fand, der ihm den Ersatzschlüssel zum Flughafen brachte. Handys gab es ja damals noch nicht.

 

Diese Begegnung zwischen Hüberts und unserer Familie war nicht die erste. Ich erinnere mich noch daran, wie Peter uns einmal in Brasilien besuchte. Bei einer Tasse Kaffee lud er uns ein, nach Quito in den deutschen Dienst als Mitarbeiter zu kommen. Peter war immer gerade heraus und direkt.

         Als Dorothea und ich mit unseren drei Kindern nach Ecuador kamen, hatten Peter und Maria schon 18 Jahre in der Deutschen Abteilung gearbeitet. (Er kam im Oktober 1964 zu Radio HCJB). Alles trug seinen Stempel. Die Büros waren klein, aber ordentlich, es bestand eine sehr komplette Kartei mit über 30.000 Karten von Hörern allein aus Südamarika, der Sendeplan war ausgereift und auf die Hörer abgestimmt.

         Peters liebstes Programm war wohl „Frage und Antwort“. Hier war er mit den südamerikanischen, meist jugendlichen Hörern in Kontakt. Sie vertrauten ihm ihre schwierigsten und intimsten Fragen an. Für Peter war das eine wunderbare Gelegenheit, das Denken dieser Leute zu prägen. Da er selber aus Brasilien kam, kannte er die Mentalität und den geistlichen Hintergrund der deutschen Einwanderer. Durch seine Antworten lernten ja nicht nur die Fragesteller die Bibel besser kennen, sondern auch alle anderen Hörer, von denen viele die gleiche Frage hatten. 

         Ein anderes Programm, das Peter mit viel Liebe vorbereitete war die sonntägliche Predigtsendung. Durch seine Botschaften hatte er sich selber ein großes Bibelwissen angeeignet. So konnte er die Gläubigen in der Erkenntnis Gottes weiterführen. Hüberts waren unter den deutschstämmigen Einwanderern in Südamerika bekannt, wie kaum ein anderer internationaler Prediger.

         Bei ihrer letzten Hörerbesuchsreise durch Brasilien, Paraguay und Argentinien im Jahr 1985, erlebten sie überwältigende Dinge. Die Hörer kamen von weit und breit in die Kirchen geströmt, wo Hüberts sprachen. Bekannte haben uns berichtet, dass die Gotteshäuser überfüllt waren, die Menschen saßen und standen draußen vor den Fenstern und Türen, um ihren Radioprediger live zu erleben. Peter hat in Südamerika Paare getraut, Menschen getauft und Gemeinden ins Leben gerufen. Bei einer Gelegenheit hat man extra eine Straße gebaut, damit Peter und Maria mit dem Auto bis an das Versammlungshaus fahren konnten. Allein in Brasilien gibt es ca. 10 Millionen deutschstämmige Einwohner. Für viele, viele von ihnen war Peter ein Wegweiser zu Jesus und ein geistlicher Vater.

         Aber auch in Deutschland war Peter sehr beliebt. Er moderierte mit Maria die Hörerpostsendung und gestaltete das Programm für Dxer. Unter den Kurzwellenfreunden war Peter sehr geschätzt wegen seines Interesses an ihrem Hobby. Er kannte sich aus mit Frequenzen und Empfangsbedingungen. Mehr als einmal hat er den Managern bei HCJB wertvolle Tipps für die Wahl der Frequenzen gegeben.

         Peter war ein sehr gewissenhafter Monitor. Die Techniker im Kontrollraum fürchteten ihn, weil er sofort merkte, wenn eine Sendung zur falschen Zeit oder gar nicht ausgestrahlt wurde. Manchmal ging er noch um Mitternacht in den Kontrollraum und korrigierte die Fehler.

         Ein weiterer Verdienst von Peter ist die Entstehung der Arbeitsgemeinschaft Radio HCJB. Auf seiner Deutschlandreise im Jahre 1972 versammelte er ein paar HCJB-Freunde und gründete diesen Verein. Er besteht noch bis heute. Seine Aufgabe ist es, die Interessen von Radio HCJB in Deutschland zu vertreten und Spenden weiter zu leiten.

         1989 ging Peter in den Ruhestand nach Kanada. Dort haben wir ihn noch einige Male besucht. Ein paar Wochen vor seinem Tod rief er uns wieder einmal an. Er tat es hin und wieder, um mit uns in Kontakt zu bleiben und Gebetsanliegen auszutauschen. Er sagte am Telefon. „Dies wird wohl mein letzter Anruf sein. Ich bin schon sehr schwach und werde wahrscheinlich nicht mehr lange leben.“ Er sprach langsam und mühsam, mit seiner unverkennbaren tiefen, ruhigen Stimme. Das Atmen fiel ihm schon schwer. „Ich bin dankbar“, sagte er, „dass ich noch zu Hause sein kann, und ich möchte auch zu Hause sterben.“

         Es hat mich tief bewegt, dass Peter zu seinem Lebensende noch von Freunden und Bekannten auch in der Ferne Abschied nehmen wollte. Vor allem aber war es mir ein großer Trost zu sehen, dass Peter seinen Glauben bewahrt hat. Er bereute nicht, dass er sein Leben im Dienst für den Herrn eingesetzt hatte. Er zweifelte nicht an dem, was er so viele Jahre lang gepredigt hatte. Er hatte sein Verhältnis zu Jesus intakt gehalten und freute sich nun, nach einem erfüllten Leben, auf die Begegnung mit seinem Herrn. Wenn ich an Peter Hübert denke fällt mir ein Vers aus Hebr. 12 ein. Da heißt es:

Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens“

Peter Hübert gehört zu dieser Wolke von Zeugen, die den Glaubenskampf in Geduld bis zu Ende geführt haben. Er hat nicht nur selbst zu Jesus aufgeschaut, sondern viele, viele Menschen durch seine Arbeit am Radio auf den Anfänger und Vollender unseres Glaubens hingewiesen.

 

Rüdiger Klaue

 
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