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Kommentar der Sendung am 8. Mai 2008

Von Eckehart Wolff

Wie geht es weiter in Amerika?

Amerika ist derzeit der Kontinent mit den meisten Fragenzeichen für die Zukunft. Große Umbrüche stehen bevor. Betrachten wir zunächst die USA. Sie sind in den vergangenen Jahren in vielerlei Hinsicht gebeutelt worden. An erster Stelle ist dabei der gestiegene Ölpreis zu nennen. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten haben die US-Amerikaner das am deutlichsten zu spüren bekommen. Was in den 1970-er Jahren Europa mit autofreien Sonntagen schockte, lernen derzeit die Nordamerikaner am eigenen Geldbeutel kennen. Ihre Autoindustrie steckt in der tiefsten Krise seit Jahrzehnten. Denn, wer kauft schon ihre Spritfresser bei den Benzinpreisen? Und obwohl amerikanische Firmen längst Wagen mit weniger Benzinverbrauch anbieten, nutzt das der Branche nicht viel. Wenn jemand wirklich sparen will, kauft er einen Wagen aus Europa, Japan oder Korea. Wie gesagt: Die amerikanische Autoindustrie steckt in einer Sackgasse ohne Aussicht auf ein rasches Entkommen.
Hinzu kommt die Politik in den USA: Was bitte soll der erbitterte Kampf zwischen den Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Barrack Obama bei den Demokraten? Kommt es wirklich es auf ein paar Stimmen des letzten Staates an? Es ist ziemlich sicher, dass die Republikaner unter George W. Bush
ausgedient haben. Das Abenteuer der Amerikaner im Irak kommt ihnen teuer zu stehen. Die Reihe der Verbündeten wird dünn. Man kann das auch messen an der Bereitschaft der Nato, Afghanistan zu stabilisieren. Die 7000 - 10 000 zusätzliche Soldaten werden in Zukunft wohl Amerikaner sein. Andere Nato-Staaten sind nicht weiter zur Mitarbeit bereit oder in der Lage dazu. Die USA tragen die Last und bezahlen die Zeche. Auch das rüttelt an der Wirtschaft und ist wohl der wichtigste Grund für die weltweite Talfahrt des Dollars. Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keinen Zweifel, dass der Ölpreis am US-Dollar bemessen wurde. Doch wie soll es jetzt weitergehen? Derzeit stehen viele neue Vorschläge im Raum, das zu ändern. Doch welche Leitwährung soll in Zukunft gelten?
Immer wieder gab es auf dem Kontinent Amerika Bestrebungen, ein Gegengewicht zu den
USA zu formieren. Präsident Hugo Chavez aus Venezuela hat in den letzten Jahren seine Macht ausgebaut und versucht weiterhin, Verbündete zu finden. Dazu zählen vor allem linke populistische Regierungen in Bolivien, Ecuador und weitere sozial ausgerichtete Regierungen wie in Chile und Brasilien. Ihre Vorschläge klingen alle ganz logisch, aber die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Selbst das erdölreiche Venezuela spürt derzeit die allgemeine Teuerungswelle. In armen Regionen wie etwa Haiti gerät die arme Bevölkerung durch den Anstieg der Lebenmittelpreise in Panik und hat die Regierung gestürzt. In Ecuador steigen die Preise ebenfalls und das, obwohl es einerseits eine Überschwemmungskatastrophe wegen des monatelangen Regens gab, andererseits eine Reisernte zu verzeichnen ist, die alle Rekorde bricht.
Die Regierung reagierte auf die Teuerung mit Preisbegrenzungen. Doch plötzlich gibt es kaum noch Milch oder Zucker oder anderes auf dem Markt. Die Folge: Die Preise klettern in die Höhe. Die Krise hat eben ihre eigenen Gesetze.
Bolivien, das Armenhaus Amerikas, steckt seit Jahren in der Krise. Eine populistische linke Regierung schien vor Jahren die Lösung der Probleme zu bieten. Jetzt wird das Land erneut fast von inneren Konflikten zerrissen. Die wirtschaftlich aufstrebende Region im Osten mit der Regionalhauptstadt Santa Cruz ist es leid, immer für den armen Rest des Hochlandes bezahlen zu müssen. Am Wochenende lief ein Referendum für eine begrenzte Autonomie. Das Ergebnis fiel mit fast 90 Prozent für die Autonomie recht deutlich aus. Die Regierung hat dieses Referendum jedoch für nicht bindend erklärt. Die Region Santa Cruz will über die Einnahmen aus den Gasvorkommen selbst bestimmen dürfen. Das Land steht wieder einmal, oder besser gesagt immer noch, am Rande eines Bürgerkrieges.
In Argentinien streiken die Bauern gegen die Regierung der frisch gewählten Präsidentin Christina Fernandez. Die Bauern roden gegen den staatlichen Widerstand etliche Quadratkilometer an Wald, um den Boden in landwirtschaftlich Nutzfläche umzuwandeln.
Amerika ist im Umbruch. Die Krise in den USA ist sicher nur der augenscheinliche Anlass, wie immer bei politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen. Viele versuchen dabei
im Moment ihr persönliches Süppchen zu kochen. Dennoch: Vor allem in Nordamerika fällt die Entscheidung für die nächsten Jahrzehnte. Aber nicht nur die USA, der ganze Kontinent befindet sich im Umbruch. Die nächsten Jahre werden spannend.

 

 

 

 

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