Als Journalist im Dienst des Herrn
Die wohl spannendste Geschichte im Leben von meiner Frau Katja und mir nahm ihren Anfang an einem Samstag im Oktober 2002. Spätabends auf der Heimfahrt mit dem Bus ins Hotel nahe der südostspanischen Stadt Murcia, wo ich mich gerade auf Dienstreise befand, klingelte mein Handy. Meine Frau war am anderen Ende der Leitung. Aufgeregt erzählte sie mir, dass sie gerade beim CVJM-Missionsfest einen Missionar getroffen hatte, der als Journalist in Ecuador arbeitet. Sie hatte kurz mit ihm gesprochen und seine Visitenkarte eingesteckt. Von der Dienstreise aus Spanien zurückgekehrt, drehte ich die Visitenkarte zwischen den Fingern hin und her. Einerseits empfand ich große Freude, dass auch Journalisten benötigt werden, um im vollzeitlichen Dienst oder bei Kurzzeiteinsätzen die frohe Botschaft zu verbreiten. Und das noch dazu in einem spanischsprachigen Land. Doch andererseits überlegte ich, ob tatsächlich ich für eine solche Aufgabe auserkoren sei und sie ausfüllen könnte. Ich entschloss mich, eine E-Mail an den Missionar zu schreiben. Die Antwort von Horst Rosiak, der als Leiter des deutschen Dienstes bei Radio HCJB (vielleicht besser bekannt als „Die Stimme der Anden“) beschäftigt ist, kam prompt. Natürlich sei ich willkommen, einen Kurzeinsatz zu absolvieren. Es entwickelte sich in den folgenden Wochen ein reger Austausch, den man Neudeutsch als E-Mail-Freundschaft bezeichnen könnte. Zudem beteten Katja und ich zu Gott um Wegweisung und Führung. Und Gott handelte. Er ebnete uns auf wundervolle Weise den Weg nach Südamerika. Nachdem das Missionswerk sein Okay gegeben hatte, fügten sich die weitere Puzzle-Teile ineinander. Vor allem fand sich ein Freundeskreis in der Gemeinde, der meinen neunwöchigen Aufenthalt durch Gebet und auch mit finanziellen Mitteln unterstützte. Allen sei an dieser Stelle noch einmal herzlich dafür gedankt. Dankbar waren wir außerdem, dass Katja vier Wochen am Stück von ihrem Jahresurlaub nehmen und mich in Ecuador besuchen konnte. So hatten wir die Gelegenheit, die Mission und das Land eine zeitlang gemeinsam zu erleben. Katja nahm zwei Wochen an einer HCJB-Studienreise teil und half noch eineinhalb Wochen im Büro mit, bevor sie heim flog. Ich selbst stieg am 1. September vorigen Jahres in Nürnberg in den KLM-Flieger, der mich zunächst nach Amsterdam brachte, von wo aus die Reise weiter nach Quito führte. Die Hauptstadt Ecuadors liegt auf einer Höhe von 2900 Metern. Ich hatte ein wenig Angst, dass ich mit der dünnen Höhenluft Probleme bekomme. Aber das war nicht der Fall. So konnte ich mich ohne Eingewöhnungspause gleich an die Arbeit machen. Radio HCJB ist einer der ältesten Missionssender der Welt. Die Abkürzung HCJB steht für „Höre Christi Jesu Botschaft“. Die Station wurde 1931 vom Amerikaner Clerence W. Jones gegründet. Heute werden von Ecuador aus Sendungen in sechs Sprachen ausgestrahlt: Spanisch, Englisch, Portugiesisch, der Indianersprache Quechua, Deutsch und Plattdeutsch. Ich wurde in der deutschen Abteilung eingesetzt. Nach Absprache mit Horst Rosiak übernahm ich die Produktion der Nachrichtensendung. Einmal in der Woche wird eine Sendung mit dem Titel „Aktuelles unter der Äquatorsonne“ ausgestrahlt. Darin enthalten ist ein Nachrichtenblock, wie man ihn von unseren Radiostationen her auch kennt. Ich trug dafür aus ecuadorianischen Medien die wichtigsten Meldungen einer Woche zusammen, übersetzte sie ins Deutsche und brachte sie auf Nachrichten-Format. Nach einer gründlichen Einführung in die Computer-Sendetechnik bei Radio HCJB durfte ich die Wochenschau sogar selbst sprechen. Außerdem führte ich mehrere Interviews, unter anderem mit dem deutschen Botschafter in Ecuador, und las Andachten, die als Programmteile in die verschiedenen Sendungen einflossen. Das Programm in Deutsch und Plattdeutsch wird jeweils eine Stunde täglich von Quito aus nach Europa und Südamerika ausgestrahlt. Eine Sendung besteht nicht ausschließlich aus Themenblöcken mit christlichem Inhalt, sondern bietet ferner Beiträge über Land und Leute, Kultur oder Sport. Eine Andacht ist jedoch jedes Mal zentraler Bestandteil. Die Struktur der Hörer könnte unterschiedlicher nicht sein. Im deutschsprachigen Raum sind es vor allem die DX-Freunde, die mit speziellen Weltempfängern ausgerüstet das Programm verfolgen. Es handelt sich dabei um Leute, deren größtes Hobby es ist, Signale von möglichst weit entfernten Sendern zu empfangen. Einige von ihnen haben durch die Übertragungen von Radio HCJB zum Glauben an Jesus gefunden. Zahlreiche Stammhörer wenden sich mit persönlichen Problemen, Fragen oder Gebetsanliegen an die Missionare in Ecuador. Deren seelsorgerische Betreuung macht einen Großteil der Arbeit in der deutschen Abteilung aus. Für die Beantwortung der Post aus Europa zuständig ist Iris Rauscher. Meine Frau Katja unterstützte sie während ihres Aufenthaltes bei dieser Aufgabe. Das Publikum, das die deutschen und plattdeutschen Sendungen in Südamerika verfolgt, besteht zum Großteil aus Nachfahren von Auswanderern aus Deutschland oder Osteuropa. Für diese Menschen ist das Programm ein fester Teil ihres Alltags. Meist versammelt sich die ganze Familie ums Radio, wenn die Erkennungsmelodie von HCJB erklingt. Natürlich schreiben auch die Hörer aus Südamerika dem deutschen Dienst. Teilweise in sehr schwer leserlichem Deutsch, denn viele haben unsere Rechtschreibung in Brasilien oder Paraguay nie gelernt. Doch die für die Südamerika zuständige Missionarin, die aus Paraguay stammende Esther Neufeldt, beantwortet die Briefe ebenfalls mit viel Liebe. Neben der Arbeit im Sender ergaben sich während meines Aufenthaltes auch in der Freizeit reichlich Gelegenheiten, von Jesus zu erzählen. Gute Begegnungen schenkte mir Gott vor allem bei meinem Hobby, dem Fußball. Ich besuchte Liga- und Länderspiele in Ecuador. Dabei erweckte ich als Deutscher unter den Ecuadorianern natürlich Interesse. Dank meiner Spanisch-Kenntnisse fiel es mir leicht, mit den Einheimischen über meinen Kurzzeiteinsatz in der Mission und den Glauben zu reden. Für diese Gespräche sind die Südamerikaner übrigens wesentlich offener als wir Deutschen.
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